Manuel Neuer und die Folgen einer WM-Nominierung
von Manuel Behlert
Manuel Neuer zur WM? Nagelsmann ändert Meinung
Am Donnerstag um 13 Uhr gibt Julian Nagelsmann, der Bundestrainer, seinen WM-Kader für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko bekannt. Dass Manuel Neuer, der Torhüter des FC Bayern, mit 40 Jahren noch einmal dabei sein wird, steht zwar noch nicht offiziell fest, aber viele verschiedene Medien berichten davon. Das kommt überraschend, eigentlich hatte Neuer 2024 seinen Rücktritt bekannt gegeben.
Und Nagelsmann und Neuer betonten im Verlaufe der Saison mehrfach, dass sich daran nichts ändern wird. Viele Experten kritisierten in den letzten Tagen vor allem die Kommunikation. Vor Wochen noch soll der Bundestrainer Oliver Baumann gegenüber betont haben, dass dieser als Nummer eins zum Turnier fährt. Und genau das ist jetzt nicht mehr der Fall. Eine Änderung der Meinung in diesem Stadium kurz vor dem Turnier ist nicht ideal.
Sorgt die Kehrtwende für Unruhe?
Eine Frage, die sich jetzt natürlich stellt: Sorgt das für Unruhe? Die Debatte ist jedenfalls in vollem Gange und wird auch noch eine Weile andauern. Es gibt Stimmen, die sagen, dass Neuer der beste Torhüter in Deutschland ist und das nach wie vor. „Das ist die richtige Entscheidung. Jetzt kann man in aller Härte sagen: Nein, das wollen wir nicht. Aber Entschuldigung: Sind wir bei einer Kaffeefahrt oder im Hochleistungssport? Das Ziel muss sein, den besten Torhüter zum jetzigen Zeitpunkt zu haben. Und Neuer ist der beste deutsche Torhüter, den wir haben", sagte zum Beispiel Matthias Sammer.
Und auch wenn sich einige Akteure innerhalb der Nationalmannschaft für den Bayern-Torhüter stark gemacht haben, bleibt ein Geschmäckle. Schließlich hat Neuer in der letzten Saison zwar immer wieder gute Leistungen gezeigt, dennoch bleibt auch niemandem verborgen, dass er in den letzten Jahren auch ein wenig an seiner Leistungsfähigkeit und auch Belastbarkeit verloren hat.
Eine WM ist lang, es gibt Spiele teilweise im Drei- oder Viertagesrhythmus, die Belastung ist hoch und beim FC Bayern plagte sich der Torhüter in der Saison insgesamt mit drei Muskelverletzungen herum. Neuer als Nummer eins in die WM zu schicken und nach einem Spiel den Torhüter aufgrund eines Muskelfaserrisses tauschen zu müssen, ist nicht ideal.
Die Erfahrung spricht für ihn
Was natürlich für Neuer spricht: Er bringt viel Erfahrung mit, ist hoch angesehen und kann natürlich unter Druck mehr als nur gut funktionieren. Das steht alles außer Frage. Aber die Erfahrung, die er hat, hat der DFB-Elf bei den letzten Weltmeisterschaften auch nicht allzu viel gebracht, das muss man klar so sagen.
Es gibt weiterhin einige Pro- und einige Contra-Argumente, die am Ende dafür sorgen, dass die Entscheidung Nagelsmanns, wenn sie am Donnerstag verkündet wird, nicht nur auf Freude stoßen wird. Kritische Nachfragen bei der Nominierungs-PK sollten ihm auf jeden Fall entgegenwehen.
Hat die Neuer-Teilnahme Auswirkungen auf Langzeitwetten?
Interessant ist auch die Frage, ob die Teilnahme von Neuer Auswirkungen auf die Tipps zur WM und besonders auf die Langzeitwetten hat. Davon ist erst einmal nicht auszugehen. Ganz nüchtern betrachtet ist Baumann ein guter Torhüter und Neuer ist das ebenso. Vielleicht werden die Buchmacher aber doch auf die Unruhe reagieren und das Medienecho abwarten, um dann gegebenenfalls ihre Prognosen anzupassen.
In jedem Fall sieht eine ruhige Vorbereitung auf ein Turnier anders aus. Und gerade beim DFB, der in den letzten Monaten die ein oder andere Problematik offenbarte und eigentlich eher harmoniebedürftig ist, kann das Konsequenzen haben.
Die Auswirkungen der Personalie Neuer wird man final aber auch erst nach dem Turnier oder erst im Turnierverlauf bewerten können. Das liegt in der Natur der Sache. Bis dahin bleibt abzuwarten und aus Sicht der DFB-Elf zu hoffen, dass Neuer fit bleibt und auf dem Zenit seiner noch möglichen Leistungsfähigkeit agiert.